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TAGUNG 13.JUNI 2002

Disease  Management und Risikostrukturausgleich

Universität  Bayreuth, Tagungsraum des Studentenwerks Oberfranken

Am 01.01.2002  ist die Reform des Risikostrukturausgleichs in Kraft getreten. Der Wettbewerb der Kassen soll in Zukunft die qualitätsorientierte Versorgung chronisch  kranker Menschen und nicht länger die Abwerbung von jungen und gesunden Versicherten in den Mittelpunkt stellen. Mit der Neuordnung sollen wirksame  Anreize für die Krankenkassen geschaffen werden, ihren Versicherten  qualitätsgesicherte Behandlungsprogramme anzubieten und dafür  entlastet zu werden. Ob ein zentral vorgegebenes und administriertes System diese Ziele erreichen kann, bleibt zu diskutieren. Im Rahmen unserer Expertentagung wurde dieses medizinisch, ökonomisch und politisch spannungsgeladene Feld von allen relevanten Seiten beleuchtet.

An der Veranstaltung nahmen  ca. 100 Experten teil,  insbesondere Geschäftsführer, Verwaltungsleiter, Chefärzte  und niedergelassene Praktiker sowie Vertreter der Industrie, Krankenversicherungen und Dienstleistern.
Unterstützt wurde die Veranstaltung durch die Firma Atoss Software AG, einem Hersteller von Software zur Dienstplangestaltung im Krankenhaus.

Die Beiträge der Referenten können durch Klick auf den Vortragstitel im pdf-Format (Adobe Acrobat Reader) angezeigt oder gespeichert werden.


Programm

 

 

Prof. Dr. Peter Oberender

Ordinarius für Volkswirtschaftslehre, Universität Bayreuth,
Partner Oberender & Partner

Begrüßung, Einführung;
Disease Management, Risikostrukturausgleich und Wettbewerb

 

 

Dr. Christoph Straub

Leiter Stabsbereich Unternehmensentwicklung Techniker Krankenkasse
Disease Management - gesundheitspolitische Ziele und Erwartungen
vortragsbezogene Diskussion

 

 

Dr. Roland Benkowitsch

Teilprojektleiter Medizinische Inhalte AOK Bayern
Disease Management und Risikostrukturausgleich aus Sicht der Primärkassen
vortragsbezogene Diskussion

 

 

Wolfgang Pföhler

Geschäftsführer Klinikum Mannheim GmbH Vizepräsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft
Disease Management als Chance für Leistungserbringer
vortragsbezogene Diskussion

 

 

 

Dr. Jörg - Peter Schröder

Sprecher der Geschäftsleitung Medvantis Medical Services GmbH
Disease  Management und die Rolle der Dienstleister - Ein Praxisbericht
vortragsbezogene Diskussion

 

 

Dr. Markus Kirchgeorg

Geschäftsführer Netdoktor.de GmbH München
Effizienzsteigerung von Disease Management - Programmen durch E - Health - Werkzeuge
vortragsbezogene Diskussion

 

 

 

Dr. Manfred Richter-Reichhelm

Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Köln
Disease Management und die niedergelassene Ärzteschaft
vortragsbezogene Diskussion

 

 

 

Prof. Dr. Peter Oberender

Zusammenfassung, Verabschiedung der Teilnehmer



Moderation durch Prof. Dr. Peter Oberender


Zusammenfassung: Das Gesundheitswesen der Zukunft bedarf weniger Regulierung, sondern mehr  Vielfalt an Vorsorgungslösungen - nur muß das deutlicher in  der Gesundheitspolitik artikuliert werden", so Professor Dr. Peter  Oberender als Resümee des Symposiums "Disease Management und Risikostrukturausgleich", das von der Forschungsstelle für Sozialrecht und Gesundheitsökonomie der Universität Bayreuth und der Beratungsgesellschaft Oberender & Partner veranstaltet wurde. Einen ganzen Tag beleuchteten Experten aus dem Gesundheitswesen höchst kontrovers die geplante Einführung von flächendeckenden Disease Management-Programmen. Die ordnungspolitisch völlig unzulässige Verknüpfung von  Disease Management mit dem Verteilungsinstrument des Risikostrukturausgleichs werde in eine Sackgasse führen, so der Bayreuther Gesundheitsökonom  Oberender. Natürlich könne ein Versorgungsinstrument wie Disease  Management ein geeignetes Instrument sein, strukturübergreifend und am Krankheitsprozeß ausgerichtet, die Qualität der Patientenversorgung,  insbesondere bei chronischen Erkrankungen, zu verbessern. Dabei dürfe  aber einerseits die Konzeptionierung nicht zentral vorgegeben sein, sondern es müsse Raum geben für eine Vielfalt von Lösungsoptionen, die den Präferenzen und Bedürfnissen von Patienten und Ärzten  entsprechen. Andererseits führe die Verbindung mit dem Risikostrukturausgleich  dazu, daß für die Kostenträger der vornehmliche Anreiz darin besteht, lediglich einen Rekrutierungswettbewerb zu betreiben und  nicht qualitativ hochwertige Angebote der Versorgung zu entwickeln. Oberender  plädierte eindringlich für mehr Innovationskraft im deutschen Gesundheitswesen. Es helfe uns langfristig nicht, wenn wir immer nur kopieren, was andere Länder uns vormachen. Eigene Ideen und Lösungen seien  gefragt.Die teilweise höchst widersprüchlichen Positionen der Kostenträger wurden durch die Beiträge von Dr. Christoph Straub, Leiter Unternehmensentwicklung der Techniker Krankenkasse sowie von Dr. Roland Benkowitsch von der AOK  Bayern deutlich. Während Straub die Gefahr einer überhasteten und kaum durchdachten Einführung der Disease Management-Programme zum 1. Juli dieses Jahres anmahnte, sprach sich Benkowitsch dezidiert  für die Einführung der geplanten Disease Management-Programme  aus. Insbesondere wurde dies in der Frage deutlich, ob es einen Wettbewerb  zwischen verschiedenen Konzeptionen von Disease Management-Programmen geben dürfe. Benkowitsch wolle im medizinischen Leistungsbereich  keinen Wettbewerb stattfinden sehen, was von Straub widersprochen wurde. Straub betonte dabei, daß ein Wettbewerb nur in den Randbereichen  - wie von Benkowitsch gefordert - den vielfältigen und heterogenen Bedürfnissen der Patienten nicht gerecht werden würde. Manfred Richter-Reichhelm, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, akzentuierte insbesondere die Beachtung der Anreizsituation der beteiligten  Partner im Disease Management. Wenn der Patient und der Arzt positiv gegenüber  den DMPs eingestellt sind, wenn beide die damit verbundenen Einschränkungen ihrer bisherigen Freiheit im Sinne einer besseren Strukturierung und einer standardisierten medizinischen Grundlage nicht als Verlust, sondern als  Fortschritt begreifen, dann werde sich auch das Arzt-Patienten-Verhältnis in den DMPs so gut gestalten wie bisher. Damit sei aber auch impliziert,  daß nicht nur die Motivation des Patienten entscheidend sei. Der  Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wiederholte die Sorge der KBV, daß es klare Regelungen für den Umgang mit sensiblen  Patientendaten geben müsse. Im Grunde brauche der Arzt Anreize, weshalb er beim DMP mitmachen.Diese Position wurde auch deutlich von Wolfgang Pföhler, den Vizepräsidenten der deutschen Krankenhausgesellschaft, unterstrichen. Eine tragfähige  integrierte Versorgung der Zukunft, die am Disease Management-Gedanken  ansetze, dürfe jedoch den stationären Bereich nicht außen vor lassen, schließlich seien chronisch Kranke heute zu 80 Prozent an den Abrechnungstagen und zu über zwei Dritteln bei der Bettenbelegung im Krankenhaus vertreten.Einigkeit zeigte sich im Plenum, als Dr. Jörg-Peter Schröder,  Sprecher der Geschäftsleitung von Medvantis Medical, die Notwendigkeit  von integrierten Strukturen als notwendige Voraussetzung eines tragfähigen  Disease Managements betonte. Ein zielorientiertes Vorgehen von Prävention  bis hin zur Rehabilitation ließe sich ansonsten nicht realisieren. Dabei werde auch die Bedeutung der Dienstleistungsfunktion des Arztes  wieder virulent. Methoden und Instrumente, die dabei die Rolle des Patienten als aktiven Part der medizinischen Leistungserstellung fördern, seien  von entscheidender Bedeutung. Die Möglichkeiten von elektronischen  Informationsplattformen, die im Sinne von "e-health" die medizinische  Transparenz für alle Beteiligten erhöhen, zeigte Dr. Markus Kirchgeorg auf, Geschäftsführer von Netdoktor in München.Veranstalter:Forschungsstelle für Sozialrecht und Gesundheitsökonomie der Universität Bayreuth Oberender &  Partner, Unternehmensberatung im Gesundheitswesen

 

Veranstalter:
Forschungsstelle für Sozialrecht und Gesundheitsökonomie der Universität Bayreuth
Oberender & Partner, Unternehmensberatung im Gesundheitswesen
EconoMedic AG

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
Tel:  (0921) 745443-0
Fax: (0921) 745443-29
E-Mail:  tagung@oberender-online.de

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